Der Fall Imeem

Ein Beitrag bei Digital Listening hat mich auf eine Urheberrechts-Klage von Warner Music Group gegen imeem aufmerksam gemacht.

Nach kurzer Recherche fällt auf, dass das Thema an verschiedener Stelle erwähnt wurde, so z.B. auch bei heise.de (die praktisch nie Quellen nennen) und bei nicorola, der wiederum TechCrunch und Reuters als Quellen nennt. TechChrunch wiederum bezieht sich auf GigaOM, wo auch wieder die Reuters-Meldung als Quelle auftaucht.

Die Haupt-Funktion von imeem, da sind sich die obigen Quellen einig, liegt darin, dass die Nutzer ihre eigene Musik-Sammlung auf imeem hochladen und dort anderen Nutzern per Stream zur Verfügung stellen können.

Die Nutzer werden von imeem per Disclaimer darauf aufmerksam gemacht, dass sie bitte kein urheberrechtlich geschütztes Material hochladen sollen.

Das das Probleme bereiten könnte, müsste eigentlich jedem klar sein. Nicht nur, dass es die Nutzer nicht zu kümmern scheint. Man darf sich auch fragen, wieviele Stücke pro Nutzer übrig bleiben, wenn jeder nur selbst komponierte und eingespielte Werke hochlädt.

Nun hält Warner Music die Hand auf und nutzt offenbar als Beweis für die Höhe des Schadens den “play count”, der von Imeem angegeben wird:

Warner, the world’s fourth-largest music company, is claiming damages up to $150,000 for each copyrighted work infringed on the site. As part of its evidence, the Warner complaint includes an exhibit that shows thousands of “play counts” for its artists’ works on Imeem’s site. (Reuters)

Anders als Digital Listening schreibt ([…] Stattdessen fordert der Major für jeden Titel, der widerrechtlich auf den imeem-Seiten angeboten wird, 150.000 Dollar Schadensersatz […]) geht es offenbar um unterschiedliche Beträge von bis zu 150.000 Dollar pro Werk.

Wie kommt wohl Warner auf solche Beträge?

imeem green day search-small

Wer auf imeem nach Green Day sucht, findet 3501 Stücke, die laut “Play Count” jeweils bis zu 53.000 mal angehört wurden. Berücksichtigt man, dass in der Liste Duplikate vorkommen, dann kommt man schnell auf bis zu 65.000 Zugriffe (Die anderen Warner-Künstler/Bands wie Madonna und Red Hot Chilli Peppers kommen auf geringere Play Counts).

Wie Warner mit diesen Zahlen auf bis zu 150.000 Dollar Schadenssumme kommt, muss wohl ein Rätsel bleiben.

Ich will hier ja nicht als Nestbeschmutzer gelten. Klar, Majors sind doof, Indies sind toll und so. Aber dass die Großen da tatenlos zusehen, konnte doch keiner erwarten, oder? Wo bleiben eigentlich die anderen drei? Sind die noch zu sehr mit YouTube und MySpace beschäftigt?

 

Update: Ein paar Kommentare zum Thema bei idolator.com sind ganz interessant.

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